Szene
Berichte, Bilder und Infos aus der Dart-Regatta-Szene
Dartisten-Nachwuchs
von Sebastian Braunitzer
Vorher Double Inkome no kids und jetzt. Am Samstag um 12 Uhr zuhause und nicht beim Skifahren: "B: .. ich spiele gerade mit N., wir sind gerade aus der Badewanne gekommen. Er liegt auf meinem Bauch". Wie sich das Leben verändert. Rückerts, Berni und Sabine, haben einen Sohn bekommen: Niklas. Und noch mal: diesmal in Schwaben. Vorher schon zu dritt (Paar mit Hund). Segler aus Stuttgart (sagt irgendwie auch schon was). Und jetzt Familie zu viert. Hubert Lindner und Mai Li haben Ian William bekommen. Der Hund soll nicht eifersüchtig sein. Den Paaren einen herzlichen Glückwunsch von uns allen. Wir werden uns tatkräftig bemühen, Euren Nachwuchs Sommer für Sommer bei den hoffentlich häufigen Treffen an das Segeln heranzuführen.
Kos 2004 - Esys: Der Wintertörn
von Claudy & Rainer Mueller
Kos 2004 (21.02.04 – 28.02.04)
Der Skipper: Matthias Huber
Die Crew: Claudy Mueller, Ulrike Schiller, Ulla v. Waltershausen, Sebastian Braunitzer, Rainer Müller, Uwe Schindler, Volker Schröcke, Klaus v. Waltershausen
Das Schiff: Hochseekat „Esys“ Dufour, Nautitech 475
Vorschau:
Blaue Nase und blauer Lappen • Atomkraft und regenerative Energien • Kapitalismus und Sozialstaat (Lohnfortzahlung) • Fronten und Fallböen • Pumpen und Urinstein • Dampfer • Übelkeit und Erbrechen • weiches Fleisch • Tonnen von Nudeln • Schokolade • Schnarchen, Rumpeln und Drübersteigen • Erbschaftssteuer • 80 m Ankertrosse • grüne Unterhose als Fußmatte • Klaus, der neue Mann für´s Dartly • Eignergemeinschaften • Batterien, Überbrückungskabel und Ladegeräte • Handys, Notebooks und andere Devices • Internet-Café, HSCSD, SSH u. Katamaran-Fern-Office • 50 Knoten im Hafen • Armes Brot und alter Ritter • Schneeverwehen in Athen und die Heizstrahler • Genacker im Salon • 5000 sm voll • immer nach den Fäden, nie nach den Instrumenten • Toiletten, Duschen und 6 Hunde • Männer-Thesen nach Ulla • der Gin bleibt drin • Klaus spannt • Unkpunkte • am besten, man nimmt rechts und links einen Koffer über die Gangway
Und denk daran, Klaus, das wird ein Wintertörn!“ Solche und ähnlich
unkende Aussagen unseres Skippers Matthias, eindringliche Ermahnungen,
doch wirklich ausreichend Skiunterwäsche und dicke Fleece-Kleidung
mitzunehmen, machten uns 8 Segelbegeisterte ein wenig nachdenklich.
Einen Heizstrahler mitzubringen, wäre nicht schlecht, hieß es. Durch die Presse gingen Bilder vom Schneeverwehen in Athen und die in den letzten Tagen vor der Abreise immer wieder eingeholten Wetterinformationen über wetteronline.de und www.poseidon.ncmr.gr
(Research Weather Forecast System for Greek Seas) bestätigten leider
immer wieder eine für Griechenland im Februar zwar wirklich sehr
ungewöhnliche, aber nicht zu leugnende Kältewelle. Wir beide haben auch
mehrmals täglich im Internet nachgeschaut – die Hoffnung stirbt zuletzt
– nur, wärmer wurde es davon nicht.
Hätte
jemand auf dem Flughafen unser Gepäck kontrolliert, hätte er vermutlich
angenommen, wir wären auf dem Weg in die Polarnacht und hätten uns nur
versehentlich ins Flugzeug nach Kos in die Ägäis eingecheckt. Wir
hatten alles dabei, was man für eine Schneeexkursion benötigt:
Skiunterwäsche, dicke Wollsocken, Fleecehosen und –pullover, diverse
Mützen und Handschuhe, Gore-tex überall. Lediglich die
Hochseeausrüstung, eine davon ein brandneues Geburtstagsgeschenk in
letzter Minute von Klaus an Ehefrau Ulla, und die Segelschuhe machten
klar: Wir waren entschlossen der Kälte zu trotzen und den Wintertörn
anzutreten! Eventuell hätten auch die in größeren Mengen mitgeführten
Mittelchen gegen Seekrankheit nicht ins Bild des typischen
Winterurlaubers gepasst.
Entschlossen waren übrigens außer Klaus
und Ulla noch Sebastian und Volker, alle aus München und Umgebung, auch
Uwe und Ulrike aus Stuttgart und wir, Claudy und Rainer aus Freiburg.
Wir alle trafen uns bei einem der Zwischenstopps auf dem Flughafen in
Athen und sprachen uns gegenseitig Mut zu. Manch einer nützte die
Gelegenheit, die ersten Unkpunkte durch unter Seglern meiner
(Claudy's) Erfahrung nach allzu verbreitete Schwarzmalerei zu sammeln.
Na, da werden wir wohl ganz schön frieren… zur Not sitzen wir eben eine
Woche lang im Schlafsack auf Kos… ich hab Faserpelz und Trockenanzug
dabei…ich auch und dazu noch meine Neoprenstiefel ... und ähnlich
aufbauende Aussagen waren unsere Leitthemen beim ersten Kaffee im
Airport-Restaurant.
Nach einem weiteren äußerst Luft löchrigen
Flug wurden wir beim Aussteigen in Kos fast von der Gangway gepustet.
Oh Klasse, Sturm ist auch noch! Unsere Befürchtungen hinsichtlich der
kommenden Woche wurden noch ein bisschen strapaziert. Zum Glück konnte
uns der äußerst gesprächige Taxifahrer „Antonis“ mit der Aussage ein
wenig aufheitern, dass sich nicht einmal die alten Leute an so einen
Winter auf Kos erinnern könnten, während er in jeder Kurve gelassen ein
Überholmanöver innerorts mit über 80km/h über doppelt durchgezogene
Mittellinien durchführte – wahrscheinlich nur Orientierungshilfen bei
Seenebel! Als er in der Kurve von einem weiteren Taxifahrer überholt
wurde, klärte er uns darüber auf, wie sicher er im Vergleich zu den
unverantwortlich rasenden, da in Deutschland aufgewachsenen
griechischen Taxifahrern unterwegs sei. Gut zu wissen, dachten wir.
Glück gehabt, dass wir ihn erwischt hatten!
In der Marina
angekommen war Matthias äußerst froh darüber, uns vollzählig zu sehen.
Hatte er etwa an unserem Entschluss zum Wintertörn gezweifelt?
Bei der abendlichen Suche nach einem ansprechenden und gleichzeitig
offenen Restaurant in den Gassen der Altstadt traten die
gruppenmenschlichen bzw. eher individualistischen Grundeigenschaften
der Törnteilnehmer zum ersten Mal zu Tage – aber wir haben Ulla dann
doch wieder gefunden.
Am Sonntag blieben wir erst einmal im Hafen in
Kos, da unerklärlicherweise eine der beiden Maschinen streikte. Das war
aber nicht schlimm, denn so konnte die ein oder andere Kleinigkeit am
Boot noch hergerichtet werden und wir wussten wenigstens alle, wo
Kaffee, Marmelade und ähnliches an Bord verstaut war. Es stellte sich
heraus, dass irgendetwas mit der Batterie des Schiffsmotors nicht stimmte. Batterie leer, der Fall schien klar. Doch bis dann ein Ladegerät aufgetrieben
war und man sich geeinigt hatte, was es mit der originalverpackten
Batterie auf sich hatte und ob nur eine oder beide Batterien aufzuladen
und auf welcher Seite einzubauen seien,…..Ulla und Claudy beobachteten
die Entwicklung. Ihr persönlicher Eindruck: Viele fachkundliche
Meinungen verhinderten die schnelle Schadensbehebung. Ich (Rainer)
hingegen ist der Meinung, dass das Team der männlichen Crewmitglieder
die Situation konzentriert, effizient und zielorientiert in den Griff
bekam. So erlebt wohl jeder seine Sicht der Wirklichkeit. Wie auch
immer, das Spannungsprüfgerät hatte schließlich seinen Dienst an den
Batterien erfüllt und ich (Rainer) kam auf den Gedanken, die Dioden
doch einmal zur Messung der Körperspannung zu verwenden. Dabei kam ganz
klar heraus, dass Klaus sowohl an den Händen als auch am Kopf am heftigsten von allen spannte,
was auch immer wir da gemessen haben. Vielleicht sollte man noch
erwähnen, dass beide Motoren anschließend einwandfrei ansprangen.
(Rainer: Eben!, Claudy: Sag´ ich doch!)
Wieder an Bord wurden, trotz
vorangegangenem Essens, mehrere Tafeln rechteckiger Schokolade und eine
große Packung dreieckiger (auf jeden Fall aber gleichschenkliger)
Toblerone in Minutenfrist verputzt. Deshalb fragte wohl Ulla von nun an
vor jedem Auslaufen, ob noch Schokolade für Claudy da wäre. Wie sie das
wohl gemeint hat? Zumindest hatten während unserer Abwesenheit die
mitgebrachten Heizlüfter eine fast schon wohlige Wärme in den Rümpfen verbreitet.
Am
Montag liefen wir dann bei gemäßigten 3-4 Bft aus. Eingepackt wie
Eskimobabys verteilten wir uns an Deck. Die im beheizten Raum
unvorstellbare Kombination von langer Unterhose, Faserpelz und Jeans
plus diverser Oberteile unter der wind- und wasserdichten Hochseekombi
erwies sich als durchaus angebracht. „Dry and warm“ war unsere Devise
und, soweit ich weiß, hat niemand geschwitzt.
Mit dem Steuern
wechselten wir uns ab, ansonsten fand jeder bald seinen Stammplatz an
Bord. Rainer stehend hinter dem Steuer, Sebastian liegend auf der
Lümmelmatte, Uwe pendelnd zwischen Steuer und Kartentisch, Claudy vor
dem Steuer tief atmend auf Ausguck sitzend mit konzentriertem Blick
nach vorn, die dagegen äußerst entspannte Ulla Brot an die
magenschwachen Mitsegler verteilend, Klaus mehr oder weniger angeleint
auf dem Vorschiff, Volker auf seinem Bänkchen im Cockpit sitzend,
Matthias in der Sonne schlafend und Ulrike stehend neben dem Steuer .
Wer nicht steuerte, konnte seinen Beitrag leisten beim Winschdrehen,
Schoten entknoten, Werkzeug anreichen und Bändsel suchen.
Die
mitgebrachten Mittel gegen Seekrankheit haben mehr oder weniger
geholfen. Manch eine oder einer erkundete nicht die Tiefe des Meeres,
sondern vielmehr die der mitgeführten Eimer, teilweise auch ziemlich
gründlich und lange, aber immer bewundernswert tapfer. Da können wir
wirklich stolz auf uns sein.
Abends liefen wir in Nisyros ein, erschöpft und müde vom Segeln - oder den Begleitumständen.
Wir
waren am richtigen Abend gekommen. Die Hafentaverne hatte geöffnet, das
hatte man schon beim Einlaufen in den Hafen hören können. Und wir kamen
gerade rechtzeitig, um eine original griechische Wahlparty zu erleben.
Jedenfalls gingen wir davon aus, dass es sich um eine solche handelte,
denn der Wirt erklärte uns etwas von „Sozialisten“ und „Konservativen“
und „abgewählt“, und auch wenn wir lange Zeit nicht wussten, ob und wo
da wer gewählt wurde, die vorwiegend männlichen einheimischen Besucher
am anderen Tisch wussten es. Energisch diskutierten sie miteinander,
wobei Überzeugungsarbeit hauptsächlich durch höhere Lautstärke
geleistet wurde. Vom Wirt wurden wir mit einem Augenzwinkern dazu
angehalten, auf sein Kommando hin entweder zu jubeln oder aber absolut
still zu sein. Danach fragte er uns auf griechisch scheinheilig, aber
so laut, dass die Griechen es hören konnten, wie wir die Sozialisten
fänden – Schweigen! Und wie die Konservativen? – Lauter Jubel! (Oder
war es anders herum?) Auf jeden Fall heizte es die Stimmung am
griechischen Tisch weiter an. Wenn Lautstärke allein nicht reichte,
sprang besonders der kleinste von allen immer wieder schwungvoll vom
Stuhl auf und gestikulierte so wild, dass der rechts von ihm sitzende,
offensichtlich dem anderen politischen Lager angehörende, jedes Mal in
Deckung gehen musste, wenn sich die ausschwingende Rechte des
Nebenmannes wieder seinem Gesicht näherte. Trotz oder (wegen?) der
erhitzten Stimmung wurde immer wieder nebenbei im Takt der Musik
geklatscht, die stetig lauter gestellt wurde, weil man sie ja sonst bei
all dem Geschrei nicht mehr hätte hören können.
Um uns mit Souvlakis
zu bewirten, schwang sich der Wirt extra in seine Jacke und feuerte den
Grill im Garten an. Da wir im Wesentlichen nicht wussten, was sich
hinter den Bezeichnungen der Speisekarte verbarg, winkte uns der Koch
in die Küche, damit wir uns den Inhalt der verschiedenen Töpfe und
Schüsseln als Entscheidungsgrundlage anschauen sollten. Mitgenommen von
diesem Abend haben wir nicht nur das Rezept der unvergleichlichen
Knoblauchsoße, sondern auch den Eindruck, dass die Griechen sich ihre
unterschiedlichen Meinungen nicht annähernd so übel nehmen, wie das bei
uns in Deutschland doch oft der Fall ist. Die Gastfreundschaft der
Griechen ist einfach beeindruckend. So wurde uns dann auch noch das
stille Örtchen der Taverne für die Zeit unseres Aufenthalts im Hafen
von Nisyros zur Verfügung gestellt. Einfach so. Toll.
Ulla und
Klaus waren auf die Reise bestens vorbereitet und wussten, dass auf
Nisyros ein Vulkankrater zu besichtigen ist. Matthias kannte ihn schon
von früheren Törns und war ganz begeistert davon. Spät abends wurde
daher mit Hilfe des Wirtes ein Taxi für den nächsten Tag für uns
organisiert. Und, wirklich, es war pünktlicher als wir um 8:30h da!
Empörend! Auf griechische Unpünktlichkeit sollte man sich nicht
verlassen.
Die Fahrt zum Vulkan war relativ kurz und lohnte sich auf
jeden Fall. Einmal am Hauptkraterrand angekommen konnte man sich wie in
die Urzeit zurückversetzt fühlen. Es stank durchdringend nach
verfaulten Eiern und der dafür verantwortliche Schwefel war rot und
gelb überall vorhanden. In der Mitte des Hauptkraters mit mehreren 100m
Durchmesser blubberte eine trübe, sicherlich nicht trinkbare braune
Brühe vor sich hin und Dampf kam aus verschiedenen Ritzen im Boden. In
dieser Szenerie hätte uns ein kleiner Dinosaurier von rechts nicht
überrascht.
Der für zarte Mägen und für eine weitere Nacht doch zu heftige Schwell
im Hafen ließ uns gegen Mittag weitersegeln. Der Wind nahm von da an
stetig zu und drehte auf eine für uns und unser Ziel ungünstige,
östliche Richtung. So mussten wir den ganzen Tag gegenan segeln. Die
Sonne schien, die Gedanken schweiften ab, Uwe hatte wieder einmal
Erkundigungen über drohende Fronten (und Fallböen) und
steigende Windstärken eingeholt: „Ule, daheim liegt Schnee. Ham´ mer
die Woch´ Kehrwoch?“ Andere sinnierten vor sich hin und auch ich
(Claudy) war während des Segelns hauptsächlich mit der Konzentration
auf das Wesentliche beschäftigt. Tief atmend hielten die von der
Seekrankheit betroffenen den Blick auf den Horizont gerichtet und
mümmelten an den von Matthias verordneten Brotstückchen. Plötzlich
jedoch kam Unruhe aufs Schiff. Der sonst stoische Gelassenheit
vorlebende Matthias rief mit einem Mal: „Der Anker rauscht aus!“
Prinzipiell nicht schlimm, könnte man meinen, aber wir wollten an
dieser Stelle eigentlich nicht ankern. Die Länge der Ankertrosse
bestätigte zum Glück die Eintragung der Seekarte, und das Meer war an
dieser Stelle tiefer als 80 m. Beim gemeinsamen Suchen mit Ulla nach
dem herbeigerufenen Werkzeug in einer Deckkiste verließ mich (Claudy)
dann die erwähnte nötige Konzentration auf das Wesentliche, die
Seekrankheit siegte und ich konnte bei der Ankerbergung nicht mehr
mithelfen. Schade eigentlich, denn das war nicht ganz unspannend: Da
der Anker keine Bodenberührung hatte, hing das ganze Gewicht von Anker
und Trosse an der elektrischen Winde, so dass sie ständig überlastet
war und andauernd die Sicherung herausflog. Wie das so ist, wurde es ab
diesem Moment dann auch so langsam dunkel und wir schwankten kurz, ob
wir nach diesem Zwischenfall nicht einfach vor dem Wind zurück nach Kos
segeln sollten oder in der hoffentlich bald zu erreichenden Abdeckung
der Insel Symi unter Motor weiterfahren sollten. Da im Dunkeln die
Meerenge vor Symi nicht zu durchfahren war und wir doch gerne dorthin
wollten, mussten wir noch eine ganze Weile gegen die Welle motoren, bis
wir die sichere Einfahrt in den Hafen von Symi erreicht hatten. Aber,
der romantische Anblick des abendlich beleuchteten Hafens und der sich
wie in einem Fjord an den Hang schmiegenden bunten Häuschen
entschädigte für alles.
Die dicke Fähre nach Rhodos, die über Nacht
im Hafen lag, schirmte uns perfekt gegen möglichen Schwell ab und wir
entschieden uns einmal mehr dafür, nicht noch zu kochen, sondern wieder
die griechische Küche zu probieren. Vielleicht wurde diese Entscheidung
durch die Tatsache unterstützt, dass in der am nächsten gelegenen
Taverne zufällig ein Videobeamer das Europacup-Spiel Bayern München
gegen Real Madrid in Kinogröße an die Wand warf. Die Männer saßen
selbstredend mit dem Blick aufs Fußballgeschehen, die Frauen ihnen
Gegenüber. Was soll man davon halten. Ja, ja, in Griechenland ist die
Welt noch in (alter) Ordnung. Gut, es hat ja auch reichlich klassische
Geschichte vorzuweisen. Soviel wir wissen hat München dann gewonnen,
obwohl die Spieler von Real besser aussahen.
Am nächsten Tag
wollten wir uns vom Segeln erholen. Und das taten wir dann auch
gründlich, frühstückten spät und reichlich, erkundeten den Ort und
kümmerten uns ein bisschen um das Boot. Da gibt es ja offensichtlich
immer was zu basteln. Während Uwe und Ulrike die Esel in den Gassen
trafen verwandelte Sebastian die Esys mit Hilfe von Handy, Notebook und anderen Devices
in ein digitales Hightech-Boot. Matthias diskutierte mit Sebastian und
mir (Rainer) ausführlich die Möglichkeiten eines persönlichen Katamaran-Fern-Offices, um mit Hilfe von Internet-Cafés, HSCSD und SSH
dauerhaft von der Ferne aus arbeiten zu können. Doch zur Beruhigung von
Matthias' Frau sei gesagt, dass er nicht ernsthaft ans Auswandern denkt.
Uns
nützte dieses Office natürlich auch, denn wir mussten uns nun so
langsam entscheiden, ob wir noch einen weiteren Tag in Symi bleiben
wollten, weil’s so schön war, oder doch am kommenden Tag den Schlag zum
Ausgangshafen nach Kos machen sollten. Poseidon sei Dank (Prognose für
den übernächsten Tag: 6-7 Bft, in Böen 110 km/h) , wir planten die
Heimfahrt für den nächsten Tag, und das war, wie sich noch
herausstellen sollte, auch gut so.
An diesem zweiten Abend in Symi
sollte nun auch endlich einmal was Richtiges, also in den Augen der
Männer „Fleisch“, gekocht werden. Schließlich hatte Matthias schon vor
unserer Ankunft ein riesiges Stück Lendenfleisch in Scheiben
geschnitten und in Öl und Knoblauch eingelegt. Zarte Steaks für neun
Leute in einer, wenn auch großzügigen, Kombüse zuzubereiten, trauten
wir Frauen uns nicht so recht zu. Deshalb sollte das Fleisch,
das nach so langer Reifezeit ja eigentlich mürbe sollte, noch weiter
geschnetzelt und dann in Rotweinsoße gegart werden. Theoretisch hätte
es zart sein sollen, und es war dann ja auch weich. Oder ist
irgendjemand anderer Meinung? Ja: Matthias hat beim ersten Probieren
über 60 s an einem Stück gekaut. Dazu gab es die von ihm schon
gekauften Spaghetti, jaja, das passt schon. Wir hatten dann auch nur Tonnen von Nudeln übrig, die am nächsten Abend noch für alle reichten.
Wenn
man so einen Abend lang um den großen Tisch im Salon versammelt ist,
gibt es viel zu reden. Und, wie wir halt so sind und was niemanden
wirklich überraschen wird, wurden da nicht nur viele Unkpunkte für
vorhergesagte Fronten und Fallböen vergeben, sondern auch Atomkraft und regenerative Energien, Ungerechtigkeiten in der Erbschaftssteuer, Kapitalismus und Sozialstaat und insbesondere die Lohnfortzahlung im
Krankheitsfall ausführlich diskutiert. Ein, zwei Fläschchen Ouzo wurden
aus der Bar gezaubert und Ulla würzte das Ganze mit ihren Männerthesen und knackigen Aussagen.
Es folgte eine weitere Nacht voller Schiffsgeräusche, Schnarchen, Rumpeln und Drübersteigen.
Hierbei drehte es sich um die ewige Diskussion innerhalb der „Bug-Crew
Steuerbord“ (Matthias, Sebastian und Volker), wer nun wie laut
geschnarcht, über wenn drübergestiegen und damit wen aufgeweckt hatte.
Letztlich nehmen sich vermutlich alle drei nicht viel.
Wir nahmen
den letzten Schlag nach Kos in Angriff und konnten jetzt bei Tag die
zwei Tage zuvor in der Dunkelheit nicht zu durchfahrende Meerenge
passieren, in der das Wasser manchmal ganz schön hellblau und das
Echolot ziemlich aufgeregt war. Als wir aus der Abdeckung der Insel
heraus waren, blies der Wind angenehm von achtern, Klasse das. Der
gerade aktive Teil der Mannschaft hatte genug zu tun, Matthias gab
seine Segelanweisungen, immer nach den Fäden, nie nach den Instrumenten
zu segeln und der unfreiwillig gerade passive Teil der Mannschaft
scharte sich um die Eimer oder knabberte das restliche arme Brot, aus
dem jetzt doch kein - von Matthias häufig angepriesener und von Ulla
kategorisch abgelehnter - alter Ritter mehr gemacht werden musste.
Dampfer auf 11 Uhr! Wo? Wer hat den Dampfer gesehen?
Kommt der jetzt näher und was hat er vor? Jede Sichtung veranlasste
Uwe, in Lichtgeschwindigkeit vor den Radarschirm zu hechten und zu
melden, dass da vorne ein Dampfer käme, so etwa auf 11 Uhr! Man solle
da 'mal eine Peilung machen. Ein Hoch auf die modernen
Navigationshilfen!
Der Wind verließ uns nicht! Er nahm stetig zu.
Wir kamen quasi in letzter Minute vor dem sich ankündigenden Sturm und
„vor allem“ rechtzeitig vor dem Schließen der tollen Toiletten und heißen Duschen in der Marina um 19:00h in Kos an. Wir wurden schon von unseren 6 Hunden
erwartet, die uns dann sogleich zu den Duschen und zurück begleiteten.
Sebastian bändelte heftig mit ihnen an, aber für´s Handgepäck waren sie
wohl doch zu groß, und so mussten sie alle auf Kos bleiben. Dieser
spezielle Begleitservice war wohl in den Hafengebühren enthalten. Die
Hunde blieben gewissenhaft dabei, und geleiteten uns stets bis zum Steg
C, an dem sie uns sicher mit einer Pfote den Weg gewiesen hätten, wenn
sie auf drei Beinen hätten stehen können.
Die Nacht war voller
Windsbräute, das Pfeifen und Sausen im Hafen war wirklich enorm und das
ganze Schiff zitterte durch das Beben des Mastes. Zudem war
richtiggehend Seegang im Hafen und jede Überquerung der Gangway wurde
zum Risiko, da sie nur hin und wieder vollständig vom Deck ans Land
reichte. Tags drauf wurden im Hafen 50 Knoten gemessen und Schaumkrönchen gesichtet.
Den letzten Tag über waren wir dann noch einmal in Kos, lasen unsere Bücher zu Ende und suchten nach dem blauen Lappen,
der schon ein paar Tage als vermisst gemeldet war. Bei Volker und
Sebastian hing angeblich schon immer einer im Badezimmer und
gerüchtehalber soll ich (Rainer) schon in Symi den Lappen - zusammen
mit den mir von Uwe an den Kopf geworfenen nassen Handtüchern - in's
Meer geschmissen haben. Ob wir das eine oder andere glauben sollten,
oder ob das nicht doch der aus der Küche war? Selbst wenn, einmal Bad,
immer Bad! Eine Umkehrung der Lappenhierarchie ist nicht möglich. Uwe
und Uli hatten ziemlich Pech mit der Toilette (Urinstein) und
deshalb das Vergnügen, die Hinterlassenschaften der Vorgänger mit
Matthias und unter Zuhilfenahme einiger Festmacher (!) aus den
Abflussrohren zu beseitigen. Für in Zukunft mir der Esys Reisende sei
verraten: Es waren die schwarzen, die mit den Sprungfedern!
Nach
einem letzten abendlichen Ausflug in die Stadt wurden wir von einem
ziemlich aufgebrachten Hafenmeister erwartet. „Wer ist hier der
Skipper?“, raunzte er. Unser Genaker (er sagte Genua) sei im Begriff
sich zu öffnen und er hätte das nur notdürftig gesichert. So musste
dann in der Dunkelheit, gewissermaßen als krönender Abschluss, noch der
Genaker geborgen werden, weil er sich durch den Sturm zu öffnen drohte. Mangels geeigneter Alternativen wurde er kurzerhand mitten im Salon
um den Tisch herum drapiert, und wenn ihn nicht wer rausgeholt hat,
dann liegt er da noch heute. Zwangsläufig kam der Ouzo mit auf den
Tisch und Ulla intervenierte spontan: „Der Gin bleibt drin! Du hast schon eine blaue Nase.“ Daher auch die Neuigkeiten: Klaus macht zukünftig das Dartly, wenn wir uns recht erinnern.
Angesichts
des immer noch heftigen Windes wurden an diesem Abend natürlich wieder
viele Unkpunkte vergeben, da manche schon ihren Heimflug gefährdet
sahen. Doch da kannten sie die Griechen und Olympic Airways schlecht!
Zwei sicherlich in Deutschland geborene griechische Taxifahrer waren
zudem noch bereit, uns um 5:45h zum Flughafen zu bringen und so endete
unser Wintertörn, wie befürchtet, viel zu früh am Samstagmorgen.
Viele
Fragen konnten während dieser Woche geklärt werden: Wer wann wen warum
nicht heiratet oder doch in genau fünf Jahren? Ob ein Katamaran-Office
für Matthias eine Alternative darstellt? Kennt Klaus die Namen der
Inseln noch, auf denen wir gewesen sind? Wie viele Wochen muss eine
griechische Rinderlende in Öl und Gewürzen mindestens marinieren, bis
sie weich wird? Wollen wir Lieschen Müller's Gartenhäuschen wirklich
erben oder sind wir dann durch die Steuer so gut wie ruiniert? Kann
Claudy trotz akuter Platzangst in der Koje wieder einmal einen Törn
antreten?
Andere Fragen blieben offen: Hatten Uwe und Uli nun
Kehrwoche und werden sie nun aus der Hausgemeinschaft ausgeschlossen,
weil sie das Schneeräumen versäumt haben? Boote und ihre Eignergemeinschaften im allgemeinen? Gibt es den Begriff „vegetarisch“ auch im Griechischen und was essen Vegetarier in Griechenland? Hilft lange pumpen gegen Urinstein? Wo ist unser blauer Lappen hingekommen und warum benutzte Ulla die im Bad vorgefundene grüne Unterhose als Fußmatte?
Fazit: Uwe hat 5000 sm voll und laut Ulla nimmt man am besten rechts und links einen Koffer über die Gangway.
Aufgabe 1 (ca. 5 sm):
Drucke den Text aus.
Aufgabe 2 (ca. 350 sm):
Suche die in der Kurzfassung benannten Begriffe im Text und unterstreiche sie mit
einem roten Stift. Benutze dabei ein Lineal.
Aufgabe 3 (900 sm):
Zeichne
ein Beziehungsdiagramm der Törnteilnehmer. Benutze deine Intuition und
unterstreiche die weiblichen Namen mit einem lila Stift.
Aufgabe 4 (1500 sm):
Wie lauten die Namen der besuchten Inseln?


